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Fand der Thesenanschlag an der Wittenberger Schlosskirche am 31. Oktober 1517 statt?

 

Bis zum heutigen Tag hält die Diskussion an, ob Luther tatsächlich am Vorabend des Allerheiligenfestes seine Thesen an die Wittenberger Schlosskirche angeschlagen hat. Galt dies bis ins letzte Jahrhundert als gesicherte Annahme, auch als Symbol für die Reformation und den Protestantismus, verstärkt durch viele Darstellungen, die Luther beim Anschlag der Thesen zeigen, so stellt der katholische Lutherforscher Erwin Iserlohn 1961 mit seinen Forschungsergebnissen die Historizität dieses Ereignisses in Frage. Iserlohn weist darauf hin, dass der Thesenanschlag erstmals einige Monate nach Luthers Tod durch Melanchthon in einer Vorrede zu Band II von Luthers lateinischen Schriften erwähnt ist. Als Augenzeuge kann Melanchthon nicht dienen, da er erst im August 1518 nach Wittenberg gekommen ist, zudem kennt er sich in der Frühzeit der Reformation nicht sonderlich gut aus, so dass ein Irrtum Melanchthons hinsichtlich des Thesenanschlags denkbar ist. Punkt 2, der für Iserlohn als Beweis für seine Annahme gilt, ist darin begründet, dass Luther sich in seinen beiden Briefen vom 31.10.1517 an seine kirchlichen Oberen privatim wandte, also nicht gleichzeitig mit seinen Thesen an die Öffentlichkeit ging. 

 

Erneut entfacht wird die Diskussion im Jahr 2007, als Dr. Martin Treu von der Stiftung Luthergedenkstätten in der Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek Jena einen handschriftlichten Vermerk von Georg Rörer, Luthers Sekretär, wiederentdeckt. Als Randnotiz in einem Arbeitsexemplar zur Revision des Neuen Testaments von 1540 vermerkt Rörer, dass Dr. Luther an jenem besagten 31. Oktober 1517 seine Thesen über den Ablass an die Türen der Wittenberger Kirchen angeschlagen hat. Rörer ist zwar ebenfalls kein Augenzeuge, jedoch einer der engsten Mitarbeiter Luthers und neben Rörers handschriftlichen Vermerk enthält das Exemplar auch zahlreiche persönliche Eintragungen von Luther selbst. Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass weder die von Iserlohn entfachte Debatte ein allgemein akzeptiertes Ergebnis gebracht hat, noch dass die Wiederentdeckung des handschriftlichen Vermerks Rörers durch Dr. Martin Treu als gesicherter Beweis für den Thesenanschlag gelten kann. So hält die kontroverse Diskussion bis heute an. 

 

Literatur:

Lohse, Bernhard: Martin Luther. Eine Einführung in sein Leben und Werk, 3. vollst. überarbeitet

Auflage, München 1990, S. 60.

 

Treu, Martin: Luthers Thesenanschlag – Faktum oder Fiktion, Leipzig 2008,

hierzu: Vermerke von Helmar Junghans in Lutherjahrbuch 76, Jhg. 2009, Organ Der

Internationalen Lutherforschung, Göttingen 2010, S. 136.

[online eingesehen 09.06.2012 http://books.google.de/books?

id=DxFm8x_HxDUC&pg=PT136&dq=joachim+ott+und+martin+treu&hl=de&sa=X&ei=rcTUT

7SaHIbUsgato4jADw&ved=0CEgQuwUwAQ#v=onepage&q=joachim%20ott%20und%20martin

%20treu&f=false]

 


Schlagworte:

Luther, Katholische Theologie, Religion, Wittenberger Schlosskirche

 

Andrea Zimmer, 2012/06/11 - 16:16, Artikelkennung: 20120611161641-andrea


Zitierhilfe:
Andrea Zimmer: Fand der Thesenanschlag an der Wittenberger Schlosskirche am 31. Oktober 1517 statt?, Fassung vom 2012/06/11 - 16:16, http://socials.rodena.de/Blog.php5?id=20120611161641-andrea [eingesehen am 11.12.2017].
oder:Andrea Zimmer: Fand der Thesenanschlag an der Wittenberger Schlosskirche am 31. Oktober 1517 statt?, Fassung vom 2012/06/11 - 16:16, http://socials.csv.net/Blog.php5?id=20120611161641-andrea [eingesehen am 11.12.2017].

 

 

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