Startseite
 

 

     


BlogIt! Stream
 
BlogIt! RSS
 
Theologie, Rom, Kirche, Roden, Saarlouis, Orden, Politik, Student, Verbindung, CM, Saar, Saargebiet, Saarland
 
 
 
 

Zur Geschichte der Studentischen Verbindungen im Saarland

 

Um die Geschichte der Studentenverbindungen zu betrachten, könnte man ohne weiteres in das 19. Jh. schauen, als sich die ersten Corps auch im damaligen Saargebiet angesiedelt hatten[1] bzw. von dort Mitglieder der deutschen Corps und Verbindungen stammten. Das „angesiedelt“ ist natürlich nur im Sinne der Etablierung von Alt-Herren-Zirkeln vor Ort zu verstehen, da es im Saargebiet selbst keine Universität gegeben hatte und somit keine Aktivitas[2] an der Saar selbst entstehen konnte.

So interessant eine solche Betrachtung sicherlich wäre, würde sie diese Ausarbeitung bei weitem sprengen. Deshalb wird sie sich ausschließlich mit der direkten Nachkriegszeit des 2. Weltkrieges beschäftigen, was auch dem Ausarbeitungstitel „Geschichte der Studentischen Verbindungen im Saarland“ zu entnehmen ist, da das Saarland vom Namen her erst seit 1947[3] besteht; vorher sprach man vom „Saargebiet“ oder „dem Gebiet /an/ der Saar“[4].

In diesem Zusammenhang ist eine Betrachtung der Katholischen Deutschen Studentenverbindung, kurz K.D.St.V., Carolus Magnus im CV[5]  zu Saarbrücken, angeraten.

Bei Carolus Magnus handelt es sich um eine 1953 gegründete nicht-schlagende, katholische, deutsche Studentenverbindung, die dem „Cartellverband der katholischen deutschen Studentenverbindungen“ (Kürzel: CV) angehört; soweit also nicht besonderes, davon gibt es hunderte. Das sie dabei die älteste Gründung einer deutschen Studentenverbindung im französisch geprägten Saarprotektorat, das zeitlich von 1947 bis 1956 einzuordnen ist, war, scheint schon interessanter zu sein. Dies auch mit Hinblick auf die Tatsache, dass es sich bei Carolus Magnus zu dem um die erste farbtragende und somit älteste Studentische Verbindung im Saarland als Bundesland der BRD[6] handelt. Um an dieser Stelle keine Unklarheit aufkommen zu lassen: Carolus Magnus war mangels einer Universität im Saargebiet die erste Verbindung, die eine Aktivitas in Saarbrücken unterhielt und es handelte sich bei Leibe nicht um den ältesten Studentischen Verbindungsableger an sich in Saarbrücken! Denn Alt-Herren-Zirkel und ähnliches von diversen Corps und Turnerschaften bildeten sich spätestens Mitte/Ende des 19. Jh. an der Saar. Nur migrierten selbige um 1918 und 1945 aus dem Saargebiet in das Gebiet des Deutschen Reiches bzw. der sich konstituierenden Bundesrepublik Deutschland. Da außerdem die studentischen Verbindungsstrukturen durch das Verbot um 1938[7]  im Saargebiet[8] zerschlagen worden waren, existierten nach 1947 nachweislich keine Verbindungen mehr im Saarprotektorat/der französischen Besatzungszone. Somit kann man mit Fug und Recht davon sprechen, dass mit Carolus Magnus die erste und daraus konkludent folgernd die älteste saarländische Gründung im neu geschaffenen Saarland erfolgte.

Nun ist der Fakt der Gründung einer Verbindung im Saarland schon interessant, doch letztlich aus der begrenzten Eigenständigkeit, in Verbindung mit der damals bestehenden eigenen Staatsangehörigkeit und der politischen Situation an sich zu erklären und als ein logisches Resultat dieser Kombination anzusehen[9]. Wäre dies alles, könnte man an dieser Stelle enden, die Gründung wäre eine von vielen und somit zu den Akten zu legen, vielleicht noch mit dem dezenten Hinweis „original saarländisch“. 

Um die Sonderstellung dieser speziellen Gründung und die damit verbundenen Auswirkungen nachvollziehbar zu machen, ist es notwendig, die Rolle des Altherrenbundes Saravia[10] näher zu betrachten.

 

Altherrenbund Saravia

Der sich nach dem Zweiten Weltkrieg rekonstituierende Altherrenbund Saravia[11] bestand bei dem zeitlichen Übergang ‚Ende der französischen Besatzungszone, Anfang des Saarprotektorats’ 1947 aus den Alten Herren, auch als Philister bezeichnet, der um 1938 im Saargebiet verbotenen Studentischen Verbindungen/Zirkel. Ohne die aktive Mitwirkung des Altherrenbundes wäre die erste Verbindungsgründung auf saarländischem Boden, selbige wurde seit 1951/52 vorbereitet, letztlich 1953 umgesetzt, wohl nicht (so einfach) geglückt. Denn die aktive Förderung bestand nicht nur aus einer finanziellen Unterstützung, sondern vor allem auch aus der dringend notwendigen Unterstützung bei dem unabdingbaren Genehmigungsverfahren bei der saarländischen Regierung.

Unter dem im vorherigen Satz angesprochenen Genehmigungsverfahren war die Notwendigkeit einer gesonderten Bestätigung durch die damalige Regierung des Saarlandes zu verstehen. Dieser bedurfte es zwingend im Vorfeld, da es bis zu diesem Zeitpunkt für eine solche (Neu-)Gründung noch keinen Präzedenzfall im Saarprotektorat gegeben hatte.

Gleichzeitig standen sowohl die französische Protektoratsverwaltung, wie auch Teile der saarländischen Regierung einer deutsch-nationalen Verbindungsgründung im Saarprotektorat/Saarland skeptisch bis offen ablehnend gegenüber. Dies kann man an einer Vielzahl von Entscheidungen und Vorschlägen von Seiten der saarländischen Regierung seit 1948 festmachen, am deutlichsten aber an den Bestrebungen des Jahres 1951, als „einige höhere Regierungsbeamte versuchten, den Altherrenverband Saar der Angehörigen der katholischen Studentenverbindungen des CV vom bundesdeutschen Verband abzutrennen“[12].

Ziel des Versuches der Abtrennung der saarländischen Studentischen Verbindung vom deutschen Verbandswesen war die Unterbindung möglicher deutsch-nationaler Einflüsse, bei gleichzeitiger Sicherung der Nähe zu Frankreich. Denn gerade die Forcierung des Frankreichbezugs war in diesen Jahren besonders stark wahrnehmbar, wie man an einer Vielzahl von Fakten in den unterschiedlichsten Bereichen feststellen kann. So gibt die Universität des Saarlandes offiziell als Gründungjahr 1948 an. Dabei handelte es aber um wenig mehr als um das Institut d’Études Supérieures de Hombourg, als Zweigstelle der Universität Nancy. Auch die Bilingualität des Lehrkörpers und die schon früh etablierten und aktiv geförderte Einbettung der französischen Bildungstradition unterstreichen dies[13].

Um diese Ziele umsetzen zu können und auf lange Zeit aufrecht zu erhalten, war natürlich die Etablierung einer juristischen Grundlage notwendig. Denn nur diese konnte die Gewähr geben, dass auch im Bereich des ‚selbstständigen’ Saarlandes eine allgemeine Grundlage für die verpflichtende Eingliederung möglicher Neuansiedlungen und Neugründungen deutscher Verbindungen und Burschenschaften an der Saar in, ggf. neu zu schaffende, saarländische Verbände geschaffen werden konnte; ein rein universitärer Akt hätte hierzu nicht ausgereicht. Letztlich ist dieser Ansatz analog der Nichtzulassung von Parteien, „die für eine Wiedervereinigung mit dem deutschen Kernland innerhalb der völkerrechtlichen Grenzen des Deutschen Reiches von 1937 eintraten“, „insbesondere keine Ableger der Parteien der Bundesrepublik“[14] zu sehen. Das Patria-Prinzip des Altherrenbundes sowie auch der neu zu gründenden Verbindung lief diesen Vorstellungen zuwider. Ein Fakt, der nicht von der Hand zu weisen ist: denn das erklärte Ziel des Altherrenbundes Saravia war tatsächlich durch die Gründung von Carolus Magnus die Wiederbelebung des studentischen Verbindungswesens und das Anknüpfen an die „coleur-studentischen Traditionen“ an der Saar[6] vor 1938. Dies bedingte zwangsläufig auch den von außen einwirkenden Bestrebungen einer saarländischen Binnenlösung entgegenzuwirken und selbiger eine klare Absage zu erteilen. Dies dürfte auch der Tatsache geschuldet gewesen sein, dass die im früheren Saargebiet beheimateten Verbindungen, wie auch Saravia[11] selbst, eine deutsche Gründungsgeschichte aufwiesen und zu deutschen Großverbänden gehörten bzw. gehört hatten.

 

Fazit 

Letztlich verdanken alle 2012 an der Universität des Saarlandes existierenden Burschenschaften und Studentischen Verbindungen, deren Ansiedlung oder Gründung in die Zeit des Saarprotektorats fallen, ihren damals rechtlich anerkannten Status, im Sinne von ‚Zulassung auch von bundesdeutschen Verbindungsablegern im Saarland’, dieser Initialgründung und der dafür geschaffenen Regelungen durch die Regierung. Die Vermeidung einer Binnenlösung für das Verbandswesen im Saarland, in Form eines oder mehrerer saarländischer Verbandspendants, wurde durch das sehr zeitnah zur Gründung der Universität des Saarlandes eingeleitete, sich über mehrer Jahre hinziehende, Genehmigungsverfahren für Carolus Magnus verhindert.

Welche Folgen ein bestehendes, konkurrierendes Verbandswesen bei der Angliederung des Saarlandes an die Bundesrepublik Deutschland gezeigt hätte, darüber kann natürlich nur spekuliert werden.

 

Fußnoten und Literatur

[1] Vgl. Paul Wentzcke: Geschichte der Deutschen Burschenschaft, Band 16, Heidelberg 1939.

[2] Hilfsweise: Als Aktivitas bezeichnet man die aktiven Studenten einer Verbindung.

[3] Hilfsweise: Ende der frz. Besatzungszone 1947.

[4] Vgl. Regelungen des Versailler Vertrages 1919. Umsetzung das Saargebiet betreffend 1920.

[5] Abkürzung: K.D.St.V. Carolus Magnus.

[6] SZ: Im Geist von CAROLUS MAGNUS. Die erste farbentragende Studentische Verbindung im Saarland. Festliche Weihe der neuen Fahne in St. Joseph zu St. Ingbert., IN: Saarbrücker Zeitung, 17.11.1953.

[7] Vgl. Michael Grüttner: Studenten im Dritten Reich. Paderborn 1995, S. 312. Vgl. auch Scan: http://www.ns-zeit.uni-greifswald.de/uploads/pics/19380114_k_1764_ns_1.png [eingesehen am 28. Mai 2012].

[8] Peter Stitz: Der CV 1919-1938: der hochschulpolitische Weg des Cartellverbandes der katholischen deutschen Studentverbindungen (CV) vom Ende des 1. Weltkrieges bis zur Vernichtung durch den Nationalsozialismus (B. 4), Würzburg 1970.

[9] Vgl. „Demokratische Grundrechte [...] der Parteien der Bundesrepublik“, „Saarland (1947–1956)“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 25. Mai 2012, 18:34 [eingesehen am 29. Mai 2012].

[10] Hilfsweise: Sara, kelt. Fluss. Saravia, lat. Saar.

[11] Saravia: „Der im Jahre 1891 gegründete CV - Gauverband ‚Saravia’ versteht sich heute als Zusammenschluss der im Saarland ansässigen CV-Altherrenzirkel“, saravia.de [eingesehen am 27. Mai 2012]. Hilfsweise: Namensableitung von der lat. Bezeichnung saravus für die Saar.

[12] Heinrich Schneider: Das Wunder an der Saar: ein Erfolg polit. Gemeinsamkeit, Seewald 1974, S. 129, 385 et passim.

[13] Vgl. Artikel Universität des Saarlandes bei der deutschsprachigen Wikipedia.

[14] Vgl. „Saarland (1947–1956)“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 25. Mai 2012, 18:34 [eingesehen am 29. Mai 2012].

 

 


Schlagworte:

Studentische Verbindung, Saar, Saarland, Saargebiet, Saarprotektorat, CM!, Carolus Magnus, CV

 

Phelan Andreas Neumann, 2012/06/18 - 21:43, Artikelkennung: 20120618214308-phelan


Zitierhilfe:
Phelan Andreas Neumann: Zur Geschichte der Studentischen Verbindungen im Saarland, Fassung vom 2012/06/18 - 21:43, http://socials.rodena.de/Blog.php5?id=20120618214308-phelan [eingesehen am 11.12.2017].
oder:Phelan Andreas Neumann: Zur Geschichte der Studentischen Verbindungen im Saarland, Fassung vom 2012/06/18 - 21:43, http://socials.csv.net/Blog.php5?id=20120618214308-phelan [eingesehen am 11.12.2017].

 

 

Weitere Artikel von Phelan Andreas Neumann.

 
 

Weitere be-SLS.de Services: BlogIt! | ChunChun | PicIt! | DocIt! | ePapers

Suchportal erlebe-es.de | Kostenlose eCards | rodena.de | grossgemeinde-wadgassen.de